Andacht Juni

In den Herrnhuter Losungen steht als Monatsspruch ein Vers aus 2. Mose 14. Da sagt Mose in Vers 13:„Fürchtet euch nicht! Bleibt stehen und schaut zu, wie der Herr euch heute rettet!“

Die Aufforderung „Fürchtet euch nicht!“ zieht sich durch die gesamte Bibel. Sie will trösten und ermutigen in Zeiten von Bedrohung, von Angst und Verzweiflung, des Nichtverstehens von Gottes Wegen mit uns und der Welt. Mir gefällt dieser Satz viel mehr, als ein dahingesagtes „Alles wird gut“. Das meint Gott auch nicht immer. Aber immer steht er zu seinen Zusagen: „Ich bin da. Du bist nicht allein, egal, was geschieht.“

Und der zweite Teil des Monatsspruches? „Bleibt stehen und schaut zu!“ – Soll das etwa eine Aufforderung zu Trägheit und Bequemlichkeit sein? Vielleicht hilft uns da die Luther- oder auch Schlachterübersetzung weiter, bei der es heißt: „Steht fest!“ Das hört sich schon anders an. Wir kennen die Formulierung „steht fest im Glauben“ aus 1. Korinther 16,13. Das ist kein Aufruf zu Passivität, sondern Gottes Hilfsangebot an uns: „Wenn ihr MICH machen lasst, will ich euch helfen, euch retten. Ihr könnt nichts dazu tun, außer glauben und vertrauen.“

Die Israeliten, denen Mose diese Worte beim Auszug aus Ägypten sagt, sind gerade am Verzweifeln. Das ägyptische Heer mit seinen Streitwagen ist ihnen auf den Fersen und sie klagen Mose und damit auch Gott an (Verse 11-12). Sie konnten noch nicht wissen, dass Gott das Schilfmeer teilen wird und so ein Fluchtweg entsteht. „Bleibt stehen und schaut zu, wie der Herr euch heute rettet!“ oder wie Luther es übersetzt hat: „....., was für ein HEIL der Herr HEUTE an euch tun wird.“

Ich will Gott dankbar sein für all die Erfahrungsberichte im Alten und Neuen Testament, die mir zeigen, wie Gott eingreift. Ich will ihm danken, dass ich auch einen persönlichen Erfahrungsschatz mit ihm haben darf. Und ich wünsche uns allen, dass es uns gelingt, „fest zu stehen, stille zu halten“ und zu vertrauen, damit Gott handeln und an uns und unseren Nächsten wirken kann, wie er es für richtig hält. Dann können wir auch aus dem Abwarten heraus aktiv werden wie die Israeliten mit ihrem Lobgesang über die erfahrene Rettung (2. Mose 15,1-21). Dann sollen wir Zeugen sein für Gottes Wege mit uns.

Seinen Segen dazu wünscht euch

Katrin Liebich